Kreuzen auf Bergstrassen

Ja ja, ist eine Weile her seit der Theorieprüfung. Aber dass auf Pässen und so grundsätzlich der Linienbus Vortritt oder zumindest das Sagen hat, blieb hängen. So war’s dann auch klar, dass ich zurück setzen musste, als auf dem Rückweg von der Rosenlaui der Postbus entgegenkam. Natürlich ausgerechnet auf einem Teilstück, das nur gerade so breit war, dass links und rechts noch ein knapper halber Meter Platz blieb. Ich frage mich heute noch, wie da überhaupt ein Postauto von dieser Dimension hochfahren kann.

Wie auch immer, ich bin nicht der Ungeschickteste, wenn’s um Rückwärtsfahren geht. Und dass hinter mir noch ein PW war, sah’ ich natürlich im Rückspiegel. Trotzdem hat der wild gehupt nachdem ich ein paar wenige Meter rückwärts gefahren bin. Scheinbar fuhr ich ihm zu schnell auf ihn zu. Ich sah’, dass ein Senior am Steuer sass. Also hielt ich erst mal rücksichtsvoll an, liess den Rückwärtsgang aber unmissverständlich eingelegt. Doch der gute Herr machte keine Anstalten mehr, weiter rückwärts zu fahren.

Ich gab dem Buschauffeur per Handzeichen zu verstehen, dass seine Fahrplanverzögerung nicht meinetwegen zustande kommt, sondern dass hinter mir noch einer blockiert. Daraufhin stieg der Busfahrer aus und kam zu mir.

“Noch 50 Meter hoch, da hat’s eine Ausweichstelle. Die ist zu gross für zwei Autos, aber das Wohnmobil hat da Platz. Schicken Sie dann den PW runter, der kommt hier an mir vorbei.”

Für mich war der Fall klar. Ich gab’s meiner Frau durch und die dem Seniorenfahrer. Doch der hat offenbar entschieden, sich nicht mehr von der Stelle zu rühren. Ich konnte nur hilflos die Schulter zucken.

Schliesslich geschah das Unfassbare: Der Postbus setzte zurück. Rund 50, 80 Meter. Da gab’s eine… Art Abzweigung (naja). Da fuhr ich rein und liess dem PW genügend Platz, sich hinter mir zu verdrücken. Doch der schnallte wieder nicht, wie’s laufen sollte und brauchte Extra-Gesten vom Busfahrer.

Die ganze Aktion hat sicher fast zehn Minuten gedauert. Dass der vermutlich mittlerweile ziemlich genervte Busfahrer nicht mit quietschenden Reifen wegbrauste, lag wohl lediglich an der fehlenden Motorleistung…

Irgendwann hat’s der ältere Herr im PW dann auch geschafft, weiterzufahren und damit mir den Weg freigemacht, rückwärts auf die Strasse zurück zu kommen. Fast hätte ich zu schwitzen begonnen. Aber nur, weil die Tankanzeige mittlerweile prophezeite, ich hätte noch eine Reichweite von läppischen 16 Kilometern. Uff.

Wer das Ganze genauer wissen will: In diesem YouTube-Film sieht man die Strecke, um die es geht. Ich fuhr bergab, der Postbus bergauf. Wir begegneten uns an der Stelle bei Minute 4:15. Und schliesslich erfolgreich gekreuzt haben wir an der Stelle bei Minute 4:04.

Bildnachweis: Norbert Aeppli, Schweiz / Wikimedia CC

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7 Kommentare zu “Kreuzen auf Bergstrassen

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