Reiseberichte

Adria 2008: Teil 1

Es war mit letztem Jahr erst das zweite Mal, dass wir mit dem Wohnmobil Urlaub machten. Glücklicherweise fühle ich mich in Autos, die grösser sind als ein PW, rasch wohl. So war die Länge von immerhin 7,25 Meter beim Rangieren zwar desöftern knapp, stellte aber nie ein Problem dar. Uns fiel auf, dass ein knapper halber Meter mehr Länge gegenüber letztem Jahr ein völlig anderes Raumgefühl hervorrufen kann. Im Wohnmobil ist halt alles etwas anders. Da fallen ein paar Zentimeter schnell auf. Ab jetzt gilt für mich jedenfalls: The bigger the better.

Der Reiz am Campen ist für uns die Möglichkeit, alles etwas spontaner zu machen als sonst im Urlaub üblich. Planen kann, muss man aber nicht. Und wir haben nicht. Österreich hätte uns gereizt, weil wir da wissen, dass Freundlichkeit und Sauberkeit gross geschrieben sind. Wer viel Geld für ein Mietmobil zahlt, der will aber nicht unbedingt das Risiko, eine Regenwoche zu erwischen, auf sich nehmen. Deshalb haben wir wenige Stunden vor Abfahrt entschieden, Richtung Adria aufzubrechen.

Die in meinen Augen dämliche Idee, die Reisemobile von Freitag bis Freitag statt Samstag bis Samstag zu vermieten, hat mich einen halben Ferientag gekostet. Ich musste am Freitag nachmittags frei nehmen, um auf 1530 Uhr das Mobil abzuholen. Bis ich nach Instruktion, Kaution und Verträgen zu Hause und das Gepäck geladen war, zeigte die Uhr schon sechs Uhr. Utopisch, jetzt noch direkt an die Adria zu fahren. Auch der Gardasee kommt als Zwischenstation nicht mehr in Frage, ja, selbst im Tessin würden wir wohl kaum mehr einen Platz vor Torschluss erreichen. Wir entschieden uns für den Wald-Campingplatz Viamala in Thusis.

Dieser idyllisch gelegene kleine Camping-Platz ist gut und schnell von der Autobahn aus erreichbar und liegt auf der weniger staugeplagten San Bernardino-Route. Einen passenden Stellplatz sucht man sich selbst, Parzellen gibt es keine. Und da ich mit dem Siebenmeterschiff keine Lust hatte, noch lange um die Bäume Slalom zu fahren, parkte ich den Kahn gleich auf den ersten verfügbaren Platz. Aber nicht ohne vorher wenigstens einmal mitten im Wald zu wenden.

Erwartungsvoll haben mir die paar wenigen Anwesenden zugeschaut. Vermutlich haben sie schon Wetten geschlossen, wie oft ich einen Baum streifen oder Ast abknallen würde. Ich bin mir fast sicher, dass die das nur bei als Mietfahrzeugen erkennbaren Neuankömmlingen machen. Ich musste sie enttäuschen. Aber seit diesen Rangiermanövern zwischen den Bäumen weiss ich: In meinem eigenen Mobil wäre eine Rückfahrkamera.

Mehr als Tisch und Stühle haben wir nicht rausgenommen, es wurde schon dunkel und morgen wollten wir ja früh weiter. Ein kühles Bier auf dem Gartensitzplatz hab’ ich mir noch gegönnt und mich dabei über die Eigenart der Dauercamper-Typen amüsiert. Schon ein eigenes Völkchen, ohne zu werten.

Beim Einschlafen habe ich noch kurz bei dem Gedanken geschmunzelt, dass ich heute morgen noch im Büro am Arbeiten war und jetzt, wenige Stunden später, in einer “völlig anderen Welt” Urlaub mache. Herrlicher Gedanke, kurz vor dem Einschlafen.

Bilder des Campingplatzes mit freundlicher Genehmigung von den Platzbetreibern.

4 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.